Erdöl-Boom in den USA: Bis zum letzten Tropfen

Kalifornien gilt innerhalb der USA als Pionier und Wegbereiter von Umwelt- und Energiepolitik. Tatsächlich befinden sich die Energieversorgung und der vom Benzin abhängige Individualverkehr im radikalen Umbruch. Deutlich fällt die wachsende Anzahl kleiner Stadtfahrzeuge wie Ford Focus, Toyota Yaris, Fiat 500 auf. Auch die Zahl der Elektroautos (zum Beispiel Smart oder Nissan Leaf), die im dichten Stadtverkehr locker mitschwimmen, ist beeindruckend. Die Kosten für private Photovoltaikanlagen sind in den USA drastisch gesunken und man sieht immer mehr Anlagen entlang der hügeligen Küste von Kalifornien, die auch immer größer zu werden scheinen.

Doch die Politik und den Wahlkampf bestimmt ein anderes Thema: Nämlich das Erdöl. Die Preise für Benzin und Diesel sind deutlich gestiegen und kommen den deutschen Zahlen an den Zapfsäulen inzwischen sehr nah. Durch die steigenden Preise ist die Erschließung heimischer Ölreserven wieder attraktiv geworden. Im Jahr 2008 wurde begonnen, die seit den 1950er Jahren bekannte Bakken-Formation, eine sich unter den Bundesstaaten Montana und North Dakota sowie der kanadischen Provinz Saskatchewan befindliche ölführende Gesteinsschicht zu erschließen. Mithilfe des sogenannten Fracking-Verfahrens wird das im Gestein gebunden Öl und Erdgas verfügbar gemacht.

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Bei dem umstrittenen Verfahren wird eine wässrige, mit Chemikalien versetzte Flüssigkeit unter hohem Druck in das Gestein gepresst und das Öl bzw. Gas so ausgewaschen. Fracking ist ein extrem wasserintensives Verfahren, dessen Langzeitwirkungen auf die Trinkwasserreserven, die Geologie und die Umwelt weitgehend unbekannt sind. Die Ergebnisse werden jedoch nicht nur in den USA und Kanada mit Interesse verfolgt. Auch Deutschland und Polen besitzen große erdgasführende Gesteinsschichten, die mit diesem Verfahren erschlossen werden könnten.

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In Montana hat das Verfahren zu einem neuen Öl-Rausch geführt. Tausende von Arbeitsplätzen entstehen. Die Reserven in der Bakken-Formation werden auf rund 20 Mrd. Barrel geschätzt. Damit würden die Reserven der USA über denen vieler Golfstaaten liegen.

Auch in Kalifornien ist die Rolle der Erdölindustrie nicht zu übersehen. An der Küste entlang reihen sich ältere Ölbohrplattformen wie Perlen auf einer Kette. Alleine von Santa Barbara aus kann man sieben solcher Plattformen sehen. Wenn man über das Küstengebirge in das trockene Landesinnere fährt, stößt man überall auf kleine Felder von Ölpumpen.

Das Erdöl zeigt sich in Santa Barbara jedoch auch an Stellen, wo man es kaum erwartet. Der Rohstoff tritt hier an vielen Stellen natürlich an die Oberfläche. Bekannt sind zum Beispiel sogenannte Tar Pits in Los Angeles, Bakersfield und Carpinteria (ein kleiner Ort südlich von Santa Barbara), an denen Öl und Teer in kleinen Tümpeln an die Oberfläche gelangt. Die Strände werden in der Bade- und Surfsaison zwischen Tar Beaches und Non Tar Beaches – also solchen an denen man mehr oder wenige Teerflecken an den Füssen ansammelt – unterschieden. Die Ursache sind natürliche Freisetzungen von Erdöl im Meer und der Effekt tritt weitaus länger auf als Öl gefördert wird.

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Angesichts der lukrativen Möglichkeiten des neuen Öl-Rauschs in den USA scheint der Weg für alternative Fahrzeugantriebe noch lang und steinig. Zu verlockend ist im Zeiten von US-Präsidentschaftswahlkampf und allgemeiner Krise die Vorstellung von neuen Arbeitsplätzen, bezahlbarem Benzin und der Unabhängigkeit von Ölimporten.

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